Geschichten von Schwertern und Zauberei

Der Kohler – 6

This entry is part 6 of 25 in the series Der Kohler

Im Tiefwald

Der Kohler hatte zwei Eimer mit Kies gefüllt, die schleppte er den schmalen Weg entlang und füllte immer wieder einen Teil davon in die tiefsten Matschlöcher auf seinem Weg. Der Esel leistete ihm Gesellschaft. Er stand jedes Mal, wenn der Kohler ein Loch gefunden hatte, daneben und wartete geduldig, während der Kohler einen Eimer absetzte, das Loch aus dem anderen füllte und die Steine zum Schluss mit seinen großen Füßen feststampfte. Er wartete auch geduldig während der Kohler die schweren Eimer beide wieder aufnahm und den Weg weiterlief. Dann folgte der Esel dem Kohler wieder unauffällig und unbeladen.

Die beiden erreichten die Hütte ein kleines Stück nach dem Mittag, aber ohne eine Pause zu machen, ging der Kohler in die Hütte und kam mit den beiden Astäxten, seinem Waldmesser und einem Seilbündel beladen wieder heraus. Das alles lud er auf den Esel, dann hielt er einen Augenblick inne, sah sich vergeblich nach der Ziege um und versorgte sich und den Esel noch mit Wasser, bevor sich die beiden auf den Weg machten.

Kleine tiefliegende Augen beobachteten den Esel und den Kohler bei diesen Unterfangen.

Der Tiefwald war ein kleines Vorplateau in Richtung Greifenstedt, eigentlich nah bei den beiden Gedingen. Man erreichte es jedoch nur durch den Wald, da der Berg vorher scharf abbrach, zerklüftete und nicht so sanft anstieg wie am Weg entlang. Da der Tiefwald schlecht zu erreichen war, wurde hier lange wenig Holz geschlagen. Die Ambition der neuen Grafen verlangte nun aber nach Bauten, die ihrer Stellung ebenbürtig war und dazu sollten die lange vergessenen Eichen und Eschen die nötigen Balken und Bretter liefern.

Der Kohler sollte die frisch geschlagenen Baumriesen für den Abtransport vorbereiten, die abgeschlagenen Äste würden nächstes Jahr seinen Meiler füttern. Das feuchte Laubwerk schon beim nächsten Kohlbrand als Gerüst und Dämmschicht unter dem Löschdach dienen. Es war gleichzeitig Recht und Pflicht des Kohlers, das Schlagholz zu säubern und so festgelegt im Kohlerbrief, der ihm auch die Nutzung der Hütte, einen festen Eigenschlag und das Stellen von Fallen zudingte.

Der Kohler war etwas schneller gelaufen als gestern, auch wenn es der Weg kaum zuließ und sich der kleine graue Esel redlich mühen musste, mit ihm Schritt zu halten. Und kaum waren die beiden am ersten geschlagenen Baum angelangt, machte sich der Kohler mit den beiden Astäxten an sein Werk.

Die Äxte sind kurzstielig, kopflastig und schwer. Die Klinge ist fast gerade und sehr weit nach unten gezogen. Sie ist schräg und versetzt zum Griff geschmiedet. Dadurch kann der Kohler gerade Schläge führen, die dicht am Stamm und gegen den Wuchs die Äste abtrennen, ohne dass er mit den Knöcheln an den Stamm schrammt. Mit einer Axt in jeder Hand attackierte er die Äste mit heftigen Schlägen. Erst nachdem er den ersten Stamm fast geschoren hatte, hielt er schwer atmend inne. Die linke Axt hatte sich in einem dicken Knoten verfangen, dabei etwas gedreht und die raue Borke hatte die Haut der vorderen Knöchel von kleinem Finger und Ringfinger gerissen.

Er presste die blutenden Finger an seinen Bauch, der Schweiß lief ihm von der Stirn in den Bart, tropfte vor ihm auf den Baumstamm, als er sich langsam und mit verzerrtem Gesicht nach vorne beugte. So blieb er eine Weile gekrümmt stehen, bis der Esel ihn mit dem Kopf anstieß. Der Kohler ließ sich langsam auf den nassen schlammigen Boden sinken. Der Esel drängte sich mit der Seite an ihn und stieß ihn mit der Seitentasche einige Male an. Nach einigen Stupsern, begann der Kohler schließlich in der Tasche zu kramen und brachte zwei Karotten zum Vorschein, die er dem Esel fütterte. Befriedigt ließ der den Kohler nun in der Pfütze sitzen und suchte sich eine etwas trockenere Stelle.

Er saß so eine Weile mit nassen Hosen am Boden, so lange, dass der kleine graue Esel bereits über eine dritte Karotte nachdachte. Dann schüttelte er den Kopf und stand langsam auf. Die feuchten Beinkleider klebten ihm am Hintern und schmutziges Wasser lief seine Beine herunter. Langsam, viel langsamer als vorher sammelte er die abgeschlagenen Äste auf zwei Haufen zusammen, ab und an verzog er das Gesicht und klaubte die nasse Hose von den Orten an und in die sie kroch. Den kleineren Asthaufen bander an das Geschirr des Esels, nahm das zweite Seilende in die Hand und so schleiften die beiden ihre Last entlang schmaler Tierpfade durch den Wald, bis sie am späten Nachmittag wieder auf den Hauptweg gelangten.

Der breite Waldweg war ungewöhnlich aufgewühlt, mehrere Reiter und Wägen waren in den letzten Stunden hier entlanggekommen. Die beiden hielten sich in der Mitte des Weges, der am wenigsten durch Räder und Hufe aufgewühlt war. Sie kamen gut voran und bogen vielleicht eine Stunde vor Anbruch der Dämmerung am reichlich verdreckten Unterstand auf den kleinen Weg zur Kohlerhütte ab.

Ein Stapel letztjähriger Äste und Scheite war umgeworfen und Ziege stand kauend auf der teils aufgepflügten Lichtung. Das Gatter zum Anbau hing schief, aber stand noch nicht weit genug offen, um den Hühnern die Flucht zu erlauben. Aus dem halb aufgebauten Meiler in der Mitte der Lichtung war Rascheln und Scharren zu hören. Der Kohler zuckte nur die Achseln. Er spannte den Esel ab und führte ihn zum Unterstand. Er warf eine Handvoll Körner aus einem hoch hängenden Sack in den Unterstand und füllte die Tröge von Esel und Ziege, während die Hühner hungrig nach den Körnern pickten. Die gefüllten Tröge entfalteten ihre magische Wirkung und zogen die beiden Mitbewohner des Köhlers wie an der Schnur zu sich. Vorsichtig gebückt, verließ der Köhler den kleinen Anbau. Er richtete das Gatter und sicherte es nach einem prüfenden Blick zum Meiler noch zusätzlich mit einem Stück des Seils, mit dem er die Zweige herbeigebracht hatte. Bevor er selber in die Hüte ging, blieb der Kohler an dem länglichen Erdhügel neben der Hütte stehen.

***

Vor zwei Sommern hatte der Altkohler den verdreckten, fiebergeschüttelten und beinahe ausgebluteten Mann nahe des Hochpass gefunden. Er hatte erst versucht den Fieberwahnsinnigen durch den Wald zu schleifen, aber konnte den großen Mann auch nicht zusammen mit seinem Esel transportieren. In einem behelfsmäßigen Unterschlupf hatte er ihn 40 Tage lang gepflegt. Jeden Tag rechnete er damit, dass der Fremde seinen letzten Atemzug tun würde, aber der hatte sich langsam erholt. Die klaffende Wunde in seiner linken Seite hatte sich geschlossen und das Fieber war abgeklungen. Bis zum Herbst hatte sich der Mann genug erholt, um ihm leidlich bei seiner Arbeit zur Hand zu gehen.

Weder fragte der Altkohler ihn jemals wo er hergekommen war, noch erzählte der Fremde es ihm, tatsächlich hatte er seit seinen wilden Flüchen und wirren Rufen, als ihn das Fieber noch fest im Griff hatte, kein Wort mehr gesagt.

Der Altkohler respektierte die Stille des Hünen, vergrub dessen Schwert und die geborstene Laute bei der langstieligen Axt und dem kurzen Speer neben der Hütte und freute sich an der Gesellschaft und ungeschickten Hilfsbereitschaft des bärenhaften Mannes.

Beinahe 40 Tage hatte es auch im letzten Winter gedauert, bis der Alte vom Husten aufgezehrt war. Der Kohler hatte ihn ebenso treu gepflegt und versorgt, nur leider ohne Erfolg. Darum musste er kurz nach den längsten Nächten des Winters auch das Grab hier ausheben. Er war dabei auf die Kiste, mit den Waffen gestoßen, die sorgsam in Öltuch eingeschlagen in einem Meter Tiefe ruhten, hatte den Alten dazu gebettet und das Loch wieder zugeschüttet. Nur die Laute hatte er genommen und über die Tür gehängt. Und er vermied es seitdem sorgsam dorthin zu blicken.

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Der Kohler – 5

This entry is part 5 of 25 in the series Der Kohler

Ein besserer Bösewicht

Uskar machte einen ruhigen Schritt nach vorn, trat dem Jungen auf den Fuß und schlug ihm mit der linken Hand in den Nacken. Der Junge wurde noch vorne geschleudert und schlug hart mit Händen und Knien auf dem Boden auf. Vom Sturz geschockt, registrierte Janis keine Schmerzen, wohl aber den heftigen Tritt in seine Rücken, der ihm die Luft aus den Lungen presste. Der Hauptmann blieb mit einem Fuß im Nacken des Jungen stehen. Er musterte die Situation bei Klaas und sah, dass Harald ihn hochgezogen hatte, er hatte blutende Kratzer im Gesicht und sein Ohr blutete heftig. Das kräftige Ding, das er angetatscht hatte wurde von zwei seiner Soldatinnen festgehalten, sie wand sich heftig, die beiden schienen sie aber im Griff zu haben. Das kleine Mädchen, das ihn angegriffen hatte, lag allerdings unnatürlich still da. Er verzog missbilligend das Gesicht.

„Genug!“ herrschte er. Der Hof erstarrte. Nur das kräftige Mädchen versuchte sich weiter los zu reißen und der Sohn des Ortsvogtes war aufgestanden.

Der Hauptmann hielt die Münze hoch, die er als Requisite für die Szene schon seit einer Weile in der rechten Hand hielt: „Das ist euer Wert! Zwei Jahre Steuern, nicht mehr und nicht weniger, seid ihr für eure Familien!

„Das Reich hat für euch – für eure Familien – die Steuern bezahlt, gibt euch Arbeit, Kleidung und Unterkunft, ihr steht in seiner Schuld, gehört dem Reich jetzt mit Haut und Haaren. Falls ihr nicht gehorcht, falls ihr faulenzt, falls ihr desertiert, seid ihr eine Last für das Reich. Nur noch dazu gut, aus euch ein Beispiel zu machen.“ Er wandte sich zum stehenden Jungen, lehnte sich nach vorne, sein Fuß grub sich in den Nacken des Jungen, der vor ihm lag: „Möchtest du das Beispiel sein?“ Matjas schluckte und setzte sich hin.

„Johan hier hat für jeden von euch die Zahlung des Steuergroschens in seinem kleinen schwarzen Buch eingetragen. Dafür bringen wir euch nach Kaiserach, wo ihr in Dienst genommen werdet. Falls ihr auf dem Weg dorthin beschädigt werdet, verunglückt oder sterbt, ist das Sachbeschädigung und dafür muss bezahlt werden.“ „Du wirst also für den Schaden, den du angerichtet hast bezahlen“ Er sah Klaas an, der öffnete den Mund um zu protestieren, aber Harald stieß ihn an. Missmutig grummelnd kramte Klaas in seiner Börse und reichte sie dem Johan. Der starrte auf die Münze als wäre sie mit etwas Ekelhaftem überzogen.

Uskar beugte sich runter, griff Janis an den Haaren und zog ihn nach oben: „Muss ich für dich bezahlen?“ Janis ballte die Fäuste. Der Hauptmann warf die Münze auf den Boden. Während Janis noch von dem polierten Geldstück abgelenkt war, zog Uskar seinen Rattenschwanz und zog dem Jungen mit der lederbezogenen Eisenrute einen brutalen Streifen auf die Schienbeine und als dessen Beine nachgaben und er schreiend zu Boden ging, zeichnete er mit zwei knappen Schlägen ein Kreuz auf seinen Rücken. Nicht zu fest, er wollte schließlich nicht noch eins verlieren.

Der Rest der Marschvorbereitung war ohne weitere gewaltsame Zwischenfälle vonstattengegangen. Johan hatte es dennoch nicht ausgehalten. Unfähig weiter zuzusehen, war er zitternd auf sein Pferd gestiegen und ein Stück aus dem Hof geritten. Hier fand ihn der Hauptmann, der ihn abschätzig angrinste. „Nicht vergessen, die Bücher auszugleichen! Falls das Mädchen noch überlebt, will Klaas seinen Groschen sicher zurück.“ Johan schmeckte sein eigenes Erbrochenes im Mund, aber nickte unterwürfig.

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Der Kohler – 4

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Der schlechteste Bösewicht

Die Gitterwägen setzten sich in Bewegung, Johan war übel. In der letzten Stunde hatten der Hauptmann und Harald den Widerstand der Jugendlichen gebrochen. Zusammen mit ihren Männern hatten sie mit einer erprobten Kombination aus Drohungen und Gewalt die Söhne und Töchter der Bauern von Talgede an die Geschirre der Wägen gezwungen.

Sie hatten mit den beiden Mädchen begonnen. Ana und Marie hatten sich seitdem sie gestern Nacht aus ihren Familien gerissen wurden gegenseitig im Arm, erst zum Trost und je kälter der Morgen wurde, um sich gegenseitig warm zu halten. Ana war ein kräftiges dunkelhaariges Mädchen, das schon seit einigen Jahren auf der Schweinefarm ihres Vaters arbeitete und auch zwei Ferkel unter dem Arm tragen konnte oder einem vorwitzigen Kerl beim Herbstfest ohne Küsse, aber mit blauen Flecken zurücklassen konnte. Marie war ebenfalls dunkelhaarig, aber schmal und zart. Sie war ihrer Mutter zusammen mit ihren zwei Geschwistern beim Spinnen und Weben zur Hand gegangen, seit ihr Vater beim Holzfällen verunglückt war und sie war eine begabte Weberin. Als jüngste von den dreien, war sie leider aber auch die, die ihre Mutter als letztes würde verheiraten können. Sie war kaum alt genug, um gegen den Groschen getauscht zu werden, erkaufte aber ihrer Mutter und ihren Schwestern zwei Jahre Zeit und ein wenig Hoffnung. Sie hatte die ganze Nacht geweint und sich fest an Ana geklammert, bis einer der Soldaten Ana grob am Arm packte, auf die Beine zog und zum ersten Gitterwagen zog.

Klaas, der zahnlückige Bewaffneten, der Martens Tochter so ölig angestarrt hatte, Klaas war die perfekte Besetzung für diese Aufgabe. Er war schon eine Weile nahe bei dem Häufchen Elend der beiden Mädchen gestanden. Ab und an leckte er sich die Lippen und dauernd, viel zu lang, musterte er die Brüste der beiden Mädchen, die sich in der morgendlichen Kälte unter den langen Tuniken deutlich abzeichneten. Klaas stellte sich breitbeinig über die beiden, packte Ana am Arm und zog sie an seinem Oberschenkel nach oben. Er gab ihr einen Stoß mit Schulter und Hüfte und drehte sich mit ihr zum Wagen, blockierte geübt mit dem Oberschenkel das reflexhaft hochgerissene Knie. Ana schrie entrüstet auf, als er sie grob an der linken Brust packte.

Harald und der Hauptmann standen an gegenüberliegenden Seiten des Hofes. Sie kannten beide Klaas Vorstellung, die umso besser war, weil sie nicht im Geringsten gespielt war. Harald kam nicht um eine gewisse geekelte Faszination umhin: Wie oft ein Mann auf so wenigen Schritten ein Mädchen unsittlich berühren konnte!

Sie hatten die Jungen im Auge. Einer von ihnen würde gleich bestens mit ihnen zusammenarbeiten. Harald hatte auf Martens Sohn gesetzt, der Hauptmann auf Matjas, den Sohn des Ortsvorstehers. Keiner von beiden hatte Marie im Blick. Als Ana überraschend aus ihrem Arm gerissen wurde, war sie nach vorne gefallen, wie erstarrt lehnt sie einen Augenblick auf ihren instinktiv vorgestreckten Händen, dann kreischte Ana und Marie explodierte. Sie stieß sich mit den Händen ab, krabbelte erst auf allen Vieren, aber sich zunehmend aufrichtend auf Klaas zu und katapultierte sich aus der Hocke auf ihn, krallte sich in sein Gesicht. Dabei übertönte sie und kurz darauf auch Klaas, Ana um ein Vielfaches.

Klaas stieß Ana weg und versuchte Marie abzuwehren, als er sie nicht zu fassen bekam, warf er sich nach Vorne und sie schlug unter ihm mit einem Übelkeit erregenden Knacken auf. Harald fluchte und sprang hinzu, um Klaas von dem Mädchen runter zu ziehen. Der Hauptmann Uskar blieb ruhig und wartete weiter auf seinen Freiwilligen.

Matjas hatte tatsächlich gedöst, als das Handgemenge los ging. Er war in den letzten Stunden ein wenig im Selbstmitleid versunken, nicht weil er sich besondere Sorge, wegen der kommenden zwei Jahre Zwangsdienst machte, sondern weil er nicht bei Jelena geblieben war. Er war sich sicher, dass es ohne die unzeitgemäße Intervention der Soldaten endlich soweit gewesen wäre. So hatte er ein bisschen vor sich hingeträumt, was alles hätte passieren können und war inzwischen bei den Tagträumen bei der Vorstellung angekommen, wie es sein würde, wenn er in einigen Jahren triumphierend in das kleine Dorf zurückkommen würde. Er wurde wach als Ana anfing zu schreien und er von Janis, Martens Sohn, unsanft angerempelt wurde.

Als die Soldaten gestern zum Aussiedlerhof gekommen waren, war Marten ohne zu zögern aus dem Bett gesprungen, hatte seinen Flegel gegriffen, war aus dem Haus gestürzt und auf die Soldaten losgegangen. Seine Frau Hannah war ihm in den Arm gefallen, bevor er einem von ihnen den Schädel einschlagen konnte, aber auch so schaffte er es noch einen der Soldaten mit der Faust niederzustrecken und einen zweiten so heftig zu treten, dass er Schwert und Fackel fallen ließ. Dann hatten ihn zwei Soldaten gepackt und auf die Knie gezwungen, während der dritte stolpernd, aber mit purer Mordlust in den Augen, sein Schwert vom Boden klaubte.

Harald stoppte ihn: „Wenn n dahergelaufener Bauer dich verprügeln kann, hast es nicht besser verdient.“ Der Soldat machte den Mund auf und holte Luft. „Jetzt zünd die Scheun an“ Unterbrach ihn Harald. Der Soldat grinste. Und nahm die Fackel auf.

Harald ritt zum tobenden und fluchenden Marten: „Es ist dir überlassen. Deine Scheune hast schon verloren, solls auch noch dein Haus sein oder schickst du deinen Sohn mit“

Hinter Harald begann das Strohdach der Scheune Feuer zu fassen in Martens Augen spiegelten sich die Flammen. Dann schloss er die Augen und nickte.

Zu sehen, wie Soldaten seinen Vater verprügelten und ihre Scheune anzündeten, hatte Janis unendlich wütend gemacht, aber nicht dumm. Er ahnte, dass die Soldaten nur auf einen Vorwand warteten, um in unverhohlene Gewalt auszubrechen.

Also hatte er zweimal tief Luft geholt und war dann aus der Tür getreten. Die Männer hatten ihm die Hände gefesselt und hinter ein Pferd gebunden. Auch der Soldat, den sein Vater niedergeschlagen hatte, konnte nicht reiten, sondern nur taumelnd gehen. Das machte den Weg etwas erträglicher, aber weniger wütend war er deswegen nicht

Ana’s Schrei brachte das Fass fast zum Überlaufen. Die arme kleine Marie, unter dem perversen Söldner zucken zu sehen, war der letzte Tropfen. Sein Gesichtsfeld verengte sich und das Blut pochte in seinen Schläfen. Er sprang auf, sein Knie stieß unsanft gegen Matjas Schulter, als er auf das Gerangel zu rannte.

***

Der Kohler – 3

This entry is part 3 of 25 in the series Der Kohler

Am Morgen im Gasthof

Johan hatte gut geschlafen. Er freute sich zwar nicht auf die Beleidigungen und Schuldzuweisungen des Tages, aber war guter Dinge, dass die meisten Bauern seine subtilen Hinweise verstanden hatten. Die restlichen Truppen und Rekruten erwarteten sie erst am Nachmittag. Greifenstedt, war zu Fuß einen knappen halben Tag entfernt, die Rekrutenwagen waren so früh in der Saison meist noch etwas langsamer.

Er trat aus dem Gasthaus in den Innenhof, um zur Latrine zu gehen. Der Hof war angefüllt mit drei Gitterwägen der Reichsarmee. Die Rekruten aus Greifenstedt füllten die einzelnen Wägen, manche schauten lustlos, andere hatten nur erschöpft die Köpfe gesenkt. Johan erkannte auch eine Reihe von den Jungen und Mädchen hier aus Talgede. Sie saßen in kleinen Trauben am Boden, eng zusammen gedrängt gegen die morgendliche Kälte, teilten sie sich viel zu wenige Decken. Unter der Aufsicht von Harald bereiteten einige Soldaten schon die Deichseln vor. Die übrigen waren damit beschäftigt herumzustehen und die Kinder bedrohlich anzufunkeln.

Selbstverständlich gab es für die Rekruten keine Zugtiere. Tagsüber wurden sie an die Deichseln gebunden und nachts schliefen sie in den Gitterwägen. Dass die Wägen heute alle hier waren hieß, die armen Kinder hatten die ganze Nacht hindurch die Karren hergezogen.

[alt2] Johann zuckte zusammen, als der Hauptmann ihm unvermittelt den Arm um die Schulter legte. In einer viel zu engen Umarmung aus verschwitztem Leder, altem Qualm und saurem Wein zog der ihn über den Hof. „Das hat doch einmal großartig geklappt mein Bester! Hätten sie den Bauern nicht so glaubhaft versichert, dass wir die Kinder erst morgen abholen, wer weiß wie viele noch abgängig geworden worden.“

Johann spannte sich und versuchte nach vorne zu entkommen, aber der Hauptmann hatte seine Schulter schmerzhaft fest im Griff. Er lehnte seinen Kopf nach vorne, bis sie beinahe Stirn an Stirn standen, dann knurrte er: „Das wäre verräterisch schlecht gewesen, wenn wieder so viel Rekruten plötzlich die Verwandten besuchen, wie in Greifenstedt.“ Johann spielte einen Augenblick lang mit dem Gedanken seinen Kopf nach vorne und oben zu reißen, dem Kerl die Nase zu brechen, gleichzeitig faselte er unzusammenhängenden Widerspruch. Der Hauptmann kam ihm zuvor und nickte einmal, ließ seine Stirn mit einem trockenen Tock an Johann’s schnellen. Der war kurz geblendet, aber mehr vom Schreck als vom Schmerz. Immerhin hatte der Kerl ihn losgelassen und er taumelte ein paar Schritte zurück. „Was fällt ihm ein!“ seine volle Blase hatte er vergessen. „Ich werde mich über ihn beschweren“ echauffierte er sich. „Machen sie das“ grinste der Hauptmann „Und seien sie froh, dass einige der Bauern hier zwei Söhne hatten, sonst könnten sie sich darüber beschweren, dass sie vor die Karren gespannt wurden. Jetzt verpissen sie sich, sonst find ich einen Platz für sie“.

Johan flüchtete in die Latrine, er stand lang zitternd vor der Rinne, bis die Natur stärker als seine Aufregung wurde. Erleichtert war er dennoch nicht, als er wieder in den Hof trat.

Auftrag im Wald

Nach einer unruhigen Nacht, saß der Kohler vor der Hütte und flocht Weidenzweige und Flachs in ein enges Gitter. Esel und Ziege ästen gemütlich am Rand der Lichtung und machten beim Fressen einen großen Bogen um Meiler und Pechstein. Die Ziege gab schon lange keine Milch mehr, also hatte er sie nur zu füttern, den Esel hatte er schon gebürstet. Die drei Hühner gluckten unzufrieden in ihren engen Käfigen, aber der Unterstand war noch nicht dicht genug, um sie hinein zu setzen.

Etwa die Hälfte des Morgens war verstrichen, bis die Einfriedung des Anbauschuppens so dicht geflochten war, dass die Hühner nicht mehr ihre Hälse hindurchstecken konnten. Er setzte sie hinein, warf ihnen zwei Handvoll Körner auf den Boden und begann die Ziege einzufangen.

Eine Weile später gingen der Esel und der Kohler leicht beladen in Richtung des Unterstandes an der Kreuzung Die Ziege stand auf einem Baumstumpf am Rand der Lichtung und schaute ihnen unverwandt hinterher. Der Esel trug zwei leere Eimer, der Kohler hatte eine Schaufel auf der Schulter und ein kleines Beil am Gürtel. An den tieferen Löchern im Weg blieb er manchmal kurz stehen, während der Esel weiterlief.

Der Esel kam ein Stück vor dem Kohler am Hauptweg an, er blieb etwas unschlüssig stehen, schüttelte sich ein paar Mal, aber leider lösten sich die Eimer nicht. Also wartete er geduldig und beäugte die Männer im Unterstand.

Als wenige Minuten später der Kohler vom kleinen Seitenweg aus dem Wald trat, blickte er zuerst auf den Käfig, dann auf die drei Männer, die im Unterstand saßen und lagerten. Er atmete tief durch und legte seine große Hand auf den kleinen Kopf des Esels.

Eine der drei Männer erhob sich von dem Baumstumpf an der kleinen Feuerstelle im Unterstand auf. Mit vorgerecktem Kinn kam er die paar Meter über den Weg heran, blieb breitbeinig stehen und richtete sich vor dem Köhler auf. Der neue Wildhüter, vielleicht schon immer ein Wildhüter der Familie Greif, aber erst seit ihrer Installation hier der neue Wildhüter, war ein Mann durchschnittlicher Größe, überdurchschnnittlichen Bauchumfangs und ausgeprägtem Geltungsbedürfnis.

„Bist endlich aus deinem Rußofen gekrochen?“ fragte Hjallman den Kohler „Wir sitzen hier schon zwei Pfeifenlängen und haben noch nichts von dir gesehen. Stehst du immer so spät auf?“ Der Esel sah zum Wildhüter hoch und der Kohler sah zum Wildhüter herunter. „Du sollst im Tiefwald den frischen Schlag säubern“ Hjallman runzelte die Stirn „Hast du mich verstanden? Langsamer und etwas lauter: „Die frisch gefällten Bäume entasten sollst du. Kannst du das?“

Der Kohler schaute zum Käfig hinüber.

 „Was glotzt du denn? Hjallman machte einen Schritt auf den Hünen vor sich zu, schob sein Kinn noch etwas weiter vor:“ Hast du noch nie einen Deserteur gesehen?“ Der Kohler beugte den Kopf nach unten, sein Bart schob sich etwas nach vorne. Er kratzte sich langsam am linken Rippenbogen, machte einen Schritt zurück. Der Wildhüter nickte scharf: „Los jetzt“ blaffte er ihn noch einmal an.

Hjallman drehte sich mit einem gemurmelten: „Schwachkopf“ zum Unterstand. Er griff ein Scheit vom Feuerholz und schlug damit gegen den Käfig. „Genug gefaulenzt“ Der dünne Jugendliche im Käfig kauerte sich im engen Käfig tiefer zusammen. „Auf jetzt, Ihr auch“! Die beiden anderen Männer rappelten sich grummelnd auf. Der kleinere von beiden machte sich am Käfig zu schaffen, er löste das Tau mit dem der Käfig verschlossen war, Fluchend und schimpfend, weil er mit einer Hand den Käfig halten und mit der anderen den Knoten lösen musste, dabei rammte er sich mehrmals den schweren Käfig an die Schienbeine. Übel gelaunt zerrte er den Jungen heraus, stieß ihn zu Boden und gab ihm noch ein paar Tritte.

Der größere hatte inzwischen die drei Reitpferde hinter dem Unterstand eingesammelt. „Hey, pass auf, dass er noch laufen kann.“ Schnauzte er: „Oder willst du laufen, wenn ich ihn auf dein Pferd binde?“

Der Kleine grinste: „Wir binden ihn einfach auf den Esel hier, auf den großen“ Er zerrte den Jungen auf den Weg, vor den Kohler, der immer noch nur einen halben Schritt auf dem Weg stand. Der kleine schmutzig blonde Mann hatte sein Gesicht zu einem breiten Grinsen verzogen. Er ließ den Jungen los, aber noch bevor der sich sammeln konnte, versetzte er ihm einen achtlosen Rückhandschlag. Er schob seine Zunge durch die zersplitterten Zähne in seinem Oberkiefer, so dass sie wie eine stinkende Schnecke unter seiner krummen Nase hervorlugte. „Schöner Esel“ er tätschelte dem kleinen Esel an die Backe, dabei starrte er unverwandt in die Augen des großen Mannes. Der Kohler atmete heftiger, er lehnte sich zurück, weg von dem hässlichen kleinen Mann.

„Kraki lass den Schwachkopf, ich will weiter“. Kraki drehte sich kichernd um, er fing das Seil auf, dass ihm Hjallman zuwarf und bandes dem Jungen um den Bauch. Alle drei steigen auf und ritten los. Hjallman vorweg, Kraki und der Junge hinter ihm. Den Schluss machte der Große Bjari, der sich mehrmals stirnrunzelnd nach dem zitternden Mann am Wegesrand umsah, der starr stand, die Hand fest in die Mähne des kleinen Esels gekrallt.

***

Der Kohler – 2

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Steuern

Der Bewohner der kleinen Fronhütte duckte sich vor dem Steuereintreiber und das fiel dem Bauern gar nicht so leicht. Obwohl er nur mittelgroß war, hätte er den kleinen kugelbäuchigen Mann vor sich immer noch überragt. Seine Arme und Beine waren von der harten Arbeit auf den steinigen Feldern, die zu seinem Gedinge gehört, zwar nicht dick aber kräftig geworden und sicherlich dicker als die des Steuereintreibers. Der Winter war zwar ausnehmend mild gewesen, die Mobilmachung im letzten Herbst hatte ihn aber den Ertrag zweier Felder sowie zwei Sauen gekostet. Zwar waren sie im Winter nicht verhungert, aber sie standen auch ohne bare Münze da.

Der Steuereintreiber und sein Wohlwollen standen zwischen Marten und seinem finanziellen Ruin, er wollte den Beamten keinesfalls verärgern.

Johan Borken war sicherlich nicht sehr ansehnlich, zum Kugelbauch und den dürren Armen gesellte sich schließlich noch eine dünne spitze Nase und eine sehr hohe Stirn. Er war außerdem wahrscheinlich der schlechteste Steuereintreiber im Reich, denn so hätte er mit seinen Freunden gescherzt, wenn er welche gehabt hätte, sein größter anatomischer Nachteil war sein Herz.

Was Marten ihm gerade erzählt hatte, hatte er heute und in den letzten Tagen genau so schon mehrmals gehört und er konnte es nicht nur verstehen, sondern er hatte sogar Verständnis.

Dennoch würde er ihn auf die Liste setzen, aber zuerst würde er ihn warnen. „Er hat keine Kinder?“ fragte er ihn. Marten schaltete nicht: „Doch! zwei Söhne und eine Tochter – die muss ich auch ernähren!“ „Nun Bauer Marten, er weiß, dass er unter Reichsrecht nur einen Sohn zum Dienst geben muss und für die Dauer seines Dienstes ist er von der Steuer ausgenommen“ „Ja, ja, aber das möchte ich nicht, die beiden sind noch viel zu jung“.

„Marten, so hör er zu, die Armee ist in Greifenstedt und sie rekrutiert gerade aus allen Familien mit Steuerschulden. Ich könnte vermuten, dass sie auf dem Weg zu den Minen oder zur Reichsgrenze auch hier vorbeikommen, da könnte dein Ältester wohl eingezogen werden. Also wenn er vom Alter und da ist, nehmen sie ihn morgen Abend mit.“ Johan blickte erst auf Marten, dann versuchte er nicht zu den beiden Bewaffneten zu schauen, die das Packpferd bewachten. „Also seht zu, dass ihr morgen Abend nicht anderorts seid!“

Marten sah zu, wie sich der unsympathische kleine Kerl auf sein Pferd hievte. Der stoppelhaarige Bewaffnete links von ihm grinste breit und entblößte tabakschwarze Zähne, die rund um eine breite Zahnlücke standen. Die rechte Wache schaute unverwandt auf den Eintreiber, bis der hochsah und zusammenzuckte, dann nickte der Rechte und ritt los. Zahnlücke starret noch ein wenig länger, bis sich Marten umdrehte und seine Tochter am Fenster stehen sah. Der Bewaffnete winkte ihr zu und spuckte einen schwarzen Strahl Kautabak aus, dann ritt auch er los.

„Was machen wir denn nun?“ dachte Marten laut „Wir müssen unserer Sachen packen“ sagte seine Frau Hannah zu ihm, „morgen früh ziehen wir los und besuchen meine Schwester in Bergeding.“ „Aber wir können doch nicht alles zurücklassen?“

„Was denn?“ fragte Hannah schroff, „die Sauen sind weg und die Ziegen kommen mit.“ „Sonst haben wir nichts mehr außer den Kindern, den Feldern und der Hütte und die werden in ein paar Tagen noch da sein, aber unsere Kinder nicht!“

Marten hatte zugehört, wie ihm der hässliche kleine Steuereintreiber erklärt hatte, dass er seinen Erstgeborenen morgen gegen die Steuern tauschen konnte. Und er hatte zugesehen, wie der zahnlückige Bewaffnete, den er dabeihatte, auf seine Tochter gestarrt hatte.

Er hatte leider nicht gesehen, wie Harald, er kannte ihn als die rechte Wache, auf dem Weg zum Dorf immer wieder abschätzig auf den Steuereintreiber starrte. Er hatte nicht gehört, wie Harald zu seinem Hauptmann sagte: „Er hat sie alle gewarnt, wir kommen morgen“. Und er hatte die beiden nicht lachen gehört. Ganz sicher wäre er nicht so ruhig am Abend zu Bett gegangen, wenn er gewusst hätte, dass sich wenige Stunden später, nach der zweiten Wache auf dem Hof des Gasthauses die Bewaffneten sammelten und in mehreren Gruppen je zu fünft in Richtung der säumigen Aussiedler-Höfe ritten.

Jelena und Matjas

Talgede lag im Dunkeln unter ihnen. Die frühe Frühlingsnacht hatte zusammen mit einem kalten Wind, alle Wärme aus der Luft gezogen. Jelena war trotzdem nicht kalt. Sie saß zusammen mit Matjas am Eingang einer der halb-künstlichen Höhlen, die in einiger Höhe in den Hang oberhalb des Dorfes getrieben war und in denen die Arbeiter ihre Werkzeuge lagerten. Diese hier gehörte Matjas‘ Vater, so wie auch die Terrassen am Hang, auf denen die sauren Kirschen und kleinen Äpfel angebaut wurden, für deren Schnaps und Saft diese Region bekannt war.

Einerseits war ihr nicht kalt, weil sie ein ganzes Stück schnell durch die Nacht gelaufen war, vom Hof ihres Vaters der ein gutes Stück außerhalb des Dorfes lag. Sie hatte heute erst sehr spät aus dem Haus schleichen können, weil ihre Eltern hektisch ihre paar Habseligkeiten zusammenpackten. Andererseits war ihr nicht kalt, weil Matjas sie im Arm hatte, obwohl er ihr weniger die kalte Nachtluft vom Leib hielt, als dass er ihr mehr oder weniger unauffällig versuchte, das Oberteil hochzustreifen.

„Ich werde dich wochenlang nicht sehen“ klagte sie

„Ich würde ewig auf dich warten“ versprach ihr Matjas „Ich würde warten bis der Winter kommt und dann noch jedes Jahr eine Blume hier an diesen Ort legen, wo wir uns liebten“

Jelena lehnte sich etwas enger an ihn, das war zwar geflunkert, aber es war trotzdem romantisch und schön. Auf jeden Fall schön genug, um den kalten Wind noch einen Moment länger zu ignorieren.

Vorm Gasthaus in Talgede gingen Fackeln an. Wie wütende Glühwürmchen schwirrten sie im Zentrum des kleinen Dorfes, sammelten sich in kleine Grüppchen, um dann sowohl talab als auch talauf der Straße aus dem Dorf zu folgen. „Sie reiten zu den Aussiedlerhöfen“ sagte Matjas. „Was wollen sie denn da, wer ist denn das?“ fragte Jelena. „Die Eintreiber! Sie sind alle heute im Lauf des Tages von Greifenstedt gekommen“ „Sie sind auch bei meinem Vater am Hof“ rief er „Aber dein Vater zahlt doch Steuern“ „Aber nicht genug! Ich muss da runter, sonst nehmen sie meinen Bruder mit“.

Matjas ignorierte ihre Einwände, küsste sie nur noch einmal ungeschickt und hastete durch die Nacht den Hang hinunter.

Jelena schaute von oben hinunter auf’s Tal. Sie sah die Fackeln bei Matjas Hof zusammenziehen, als er dort ankam. Kurz darauf bewegten sich die Lichtpunkte wieder in Richtung des Gasthauses. Am Aussiedlerhof ihres Vaters, war einiges an Bewegung. Die Lichter hüpften und kreisten ärgerlich vor und zurück, eines ging aus, noch eines und plötzlich sprang das dritte Licht und wuchs bis sie das Dach ihrer Scheune in Flammen aufgehen sah. Die zwei Fackeln, die noch brannten bewegten sich zurück in das Dorf. Ein wenig ruckartig, so wie eine Raupe, die immer wieder stolperte oder hängen blieb.

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Der Kohler – 1

This entry is part 1 of 25 in the series Der Kohler

Auf dem Weg zum Kohlerhof

Esel und Kohler teilten sich die Arbeit. Der Weg in den Wald stieg lange aber stetig an und der Anstieg setzte sich zu den Säcken und auf die Achsen des Wagens, machte das letzte Stück des Weges noch einmal beschwerlicher. Ab und an überlegte der Esel, einfach stehen zu bleiben. Wie es eben die Art von Eseln ist, die schlauer sind, als Ochsen oder Pferde. Dann drehte er seinen grauen Kopf zur Seite und schaute zum Kohler hoch, der neben ihm lief und wie er an der Deichsel zog. Der Esel musste seinen Kopf recht weit drehen. Er war ein kleiner Esel und der Kohler war ein großer Mann.

Der Kohler blickte mal geradeaus und mal auf den Esel, aber er blieb nie stehen. Und weil die beiden sich die Arbeit teilten, blieb der Esel ebenfalls nicht stehen. Vielleicht aber auch weil manches Mal, wenn der Esel schaute, der Kohler eine Karotte aus der Tasche kramte und sie dem Esel reichte.

Blickte man hinter ihnen den Weg entlang und folgte  seinen Kurven, so einen guten halben Tag, kam man nach Borgstedt oder wie es neuerdings heißen sollte: Greifenstedt. Auf dem Hinweg hatte der Wagen Kohlen geladen und ein paar Fässchen Kiefernpech. Es war erst das vierte Mal, dass Kohler mit dem Esel nach Borgstedt gekommen war und es war das erste Mal, dass er allein war. Ohne den Altkohler, der ihn im vorletzten Herbst aufgenommen hatte. Der Altkohler hatte die letzten Male das Reden und Handeln übernommen, hatte den Jungkohler vorgestellt – so wurde aus dem Kohler erst der Altkohler – und vor dem letzten Winter, als der Husten ihn schon morgens und abends schüttelte, hatte er noch beim Vogt vorgesprochen, sodass aus dem Jungkohler der Kohler werden konnte.

Auf dem Rückweg war der Wagen mit Säcken beladen: Zwiebeln, Rüben, Mehl, Käse, Butter und Winteräpfel, außerdem Eier und drei lebende Hühner. Die hatte die Marktfrau mitleidig angesehen, als sie sie auf den Wagen band. Im Hochwald sagten sich Fuchs und Haas gute Nacht, wollte der Haas nicht zuhören, nahm der Fuchs eben Hühner. Aber der Kohler hatte nichts zu ihren Befürchtungen gesagt und so hatte sie alles von seiner Liste auf den Wagen gepackt.

Die beiden, Esel und Kohler, waren nun oben auf einer Lichtung im dicht bewaldeten Plateau angekommen und damit im Hochwald. Später im Frühling rasten auf dieser Lichtung die Fronarbeiter, Holzfäller und Pechsammler, im Herbst sammeln sich hier die Jäger. Ein munteres Bächlein floß ein Stück den Weg entlang, bei Tauwetter auch gerne einmal über den gesamten Weg. Der Esel blickte einmal wieder zum Kohler hoch und diesmal nickte der Hühne und die beiden blieben stehen.

Nachdem der Esel losgemacht war, knieten beide nebeneinander an den Bach und steckten ihre Köpfe in das eiskalte Wasser. Der eine zum Trinken und der andere, um sich abzukühlen. Der Esel warf den Kopf zurück und schüttelte sich, dass seine langen Ohren links und rechts flatterten. Der Kohler warf den Kopf zurück und das Wasser floss von seinem kahlen Schädel in den Saum der einfachen Tunika und in den langen, rotbraunen Bart. Er legte sich den Bart auf die Schulter und beugte sich noch einmal nach vorne, um diesmal auch zu trinken. Sie teilten sich einen Apfel und das Gras. Einer fraßes, einer lag ein paar Minuten darauf. Dann stellte sich der Kohler wieder zum Wagen und der Esel überlegte sich wieder, ob er nicht einfach stehen bleiben sollte.

Zum Einbruch der Dunkelheit etwa werden die beiden an der Kohlerhütte ankommen. Wie die Krähe fliegt, war das gar nicht mehr weit weg. Der Wald wurde hier aber rasch so dicht, dass gar keine Krähen mehr quer flogen.

Ein zweiter Apfel überredete den Esel zum Wagen zu kommen und sich auf den letzten Teil ihres Weges zu machen.

Der Hauptweg durch den Wald war mindestens ochsenkarrenbreit, zumeist breiter. Nach dem Winter war er noch reichlich schlammig und verkommen. In den nächsten Wochen werden die Fronarbeiter ihn wieder frei räumen und befestigen, bis zum Hochpass und der alten Garnison an der alten Grenze zum Reich. Borgstedt hatte die Garnison schon lange nicht mehr besetzt, obwohl dies die Lehnspflicht der Herren von Borg war.

Die Familie Greif würde nun die Grenzgarnison auch nicht mehr besetzen müssen, schließlich war es keine Grenze mehr, der breite Waldweg nun eine wichtige Handelsroute im Reich.

Von dieser bogen Esel und Kohler an einer Kreuzung mit einem geräumigen Unterstand ab. Hier zum Unterstand brachte der Kohler sonst seine Kohlen. Die Minen auf beiden Seiten des Passes hatten einen ständigen Hunger nach Brennstoff. So wie die Armeen des Reiches einen ständigen Hunger nach Eisen hatten. Am Unterstand hing an einem breiten Baum ein schmaler Käfig, der größtenteils leer war. Die paar Knochen am Boden des Käfigs lockten schon lange keine Krähen mehr an, erinnerten aber daran, was passierte, wenn man mit einem Wagen voller Kohle erwischt wurde,die man nicht bezahlt hatte.

Hinter der Kreuzung wurde der Weg schmal und beschwerlich. Der Wagen war auch noch ein wenig schwerer als vorher, weil der Kohler vom Unterstand zwei Eimer groben Kies mitgenommen hatte. Die kippte er in die größten Löcher im Weg und stampfte sie mit den Füßen fest. So war es bereits sehr dunkel, bis sie zur Kohlerhütte kamen. Die Sonne war untergegangen, der Himmel bewölkt und der Mond stand noch hinter den Bäumen. Die Lichtung war kaum mehr zu sehen, der Geruch nach Kiefernteer und altem Feuer aber unverkennbar, auch wenn gerade kein Meiler qualmte.

Kohler und Esel zogen den Karren zur Hütte. Aus dem angrenzenden Unterstand, mehr ein Überhang vom Dach, meckerte Ziege dem Esel eine Begrüßung zu. Der Kohler spannte den Esel ab und führte ihn mit einer Handvoll Heu tief gebückt, also der Kohler, nicht der Esel, in den Unterstand. Geübt verstellte er dabei der Ziege den Weg nach draußen, bevor er sie auch mit dem Heu zum Trog lockte. Zwei Handvoll Futter aus einem beinahe leeren Sack später, waren die beiden mit Abendbrot beschäftigt. Der Kohler hatte noch eine Weile zu tun.

Er lud die Säcke und Hühner vom Karren und trug sie in die Hütte, schob den Karren an die Hüttenwand und ging hinein. Er tastete sich die Deckenbalken entlang bis zum gemauerten Herd, kniete nieder und blies vorsichtig auf die Kohlen im Herd und fütterte die glimmenden Kohlen sorgsam mit Ästchen und Spänen. Erst als hier wieder ein kleines Feuer brannte, entzündete er mit einem Span eine Pechlaterne unter dem Rauchabzug und erhellte die Hütte.

Der rötliche Schein beleuchtete zwei an die Wand gebaute Betten, eines gemacht und eines leer. Ein kleines Tischchen und ein Hocker waren rechts von der Kochstelle, darüber hing eine Pfanne und ein Topf stand neben dem Feuer im Herd. Neben der Tür lehnte ein grob gezimmerter Werkzeugständer. Darin hingen mehrere Äxte, Beile und Haken sowie zwei Sägen.

Im schwachen Licht schnitt sich der Kohler eine Scheibe hartes, dunkles Brot ab und schöpfte darauf vom lauwarmen Brei aus dem Topf. Er aß nur wenige Bissen, bevor er die Reste durch das Fensterchen in den Unterstand warf. Weder Esel noch Geiß ließen sich lange bitte.

Dann streckte sich der Kohler so gut es ging auf dem kurzen Bett aus, schaute nicht an die Stelle über der Tür, blies die Laterne aus und schloss die Augen.

Grab im Tunnel-6

This entry is part 6 of 6 in the series Grab im Tunnel

Eckert: Verschüttet

Klopfen, trommeln, Lieder singen, habe ich euch schon erzählt, dass ich gar nicht musikalisch bin?  Langeweile und Verzweiflung treibt einen wirklich zu Wahnsinns Taten, die Gespräche mit Lantam habe ich erstmal zurück gestellt. Ich bin noch nicht weit genug für Unterhaltungen mit Toten. Ich will lieber noch ein wenig damit warten, bis mich Dunkelheit, Durst und Hunger soweit weich gemacht haben, dass ich vielleicht doch Antworten höre.

Bleibt sonst aber wenig, Kartenspiele mit mir selber im Kopf – langweilig. Erinnerungen an meine Geliebten und die großen Lieben meines Lebens – ersteres ist mehr als frustrierend, wenn beide Hände neben deinem Körper eingeklemmt sind, letzteres würde voraussetzen, dass ich einmal eine große Liebe hatte. Woran das liegt, werde ich sicher später mit Lantam zusammen besprechen können.

Also klappere ich, klopfe, poche und wippe mit den Füßen. Augenblick, meine Füße liegen frei. Nach vorne und oben bin ich fest eingeklemmt. Brust und Hüfte fixiert, denke ich, der Stiel des Hammers mit dem Lantam mich erschlagen wollte, so dass ich auch nicht in Richtung meiner Füße rausrobben kann. Aber unter mir sind Ziegelsteine in gestampfter Erde. Ich kann meine linke Hand etwas bewegen und fange an mit den Fingernägeln an den Rändern des Ziegels zu kratzen. Bewegt der sich etwas? Ein kleines bisschen? „Ja ja ja ja, Lantam siehst du wir kommen hier noch raus“ Mir laufen Tränen über die Backen, als ich den ersten Backstein unter meinem Hintern rausziehe. Ich bedanke mich immer und immer wieder bei dem faulen Handwerker, der die Ziegel in Reihen verlegt hat, nicht in der stabileren Fischgräte. Den zweiten Stein bekomme ich unter mir vorgezogen und stopfe ihn nach vorne neben mein Bein. Ich kann meinen Hintern bewegen, ein wenig, bloß nicht zuviel, bloß nicht riskieren, dass alles weiter einsackt. Ich stütze den Hammerstiel so gut es mit einer Hand und blind geht. Fünf Ziegel, mein Hintern ist im Loch und das erste Mal seit Stunden, dass nicht mehr der Stiel auf meine Hüfte drückt. Ich erspare euch die nächsten Ziegelreihen, die ich brauche, bis auch meine Brust so frei liegt, dass ich mich Fingerbreit um Fingerbreit nach unten schieben kann. Die Beine ausstrecken, Fersen in den Boden drücken, Fersen anziehen und wiederholen.

Nyx und Gregor

Gregor blickte die Nyx unverwandt an. Seine braunen Augen hielten die leeren schwarzen Öffnungen in ihrem Gesicht fest. Suchten nach einem Anhaltspunkt, dass er in ihr noch etwas anders befand als Leere. Immer wenn er hinein zu fallen drohte, wenn ihn die Leere übermannen wollte, rief er sich einen Psalm, ein Gebet in‘s Gedächtnis und die rituellen Worte füllten ihn mit Zuversicht. Nährten die ewige Flamme in seinem Herzen, die durch die heiligen Worte entfacht wurde und durch seine Überzeugung am Brennen blieb.

Nyx ließ das Feuer ihres Widersachers in sich aufgehen. In der Kälte ihrer Leere fand es keine Nahrung. Stein, Holz, Fleisch und Stahl machte sie nicht aus, sondern war nur in seine kleinsten Bestandteile zerlegt zu der Hülle geworden, die ihre Leere von der Schöpfung trennte.

Sie hatte bereits das elementare Feuer der Magierin verschlungen und es in sich erstickt und über kurz oder lange würde das gleiche auch mit diesem hier passieren.

Eckert: Frei

Ich schiebe mich Ferse um Ferse vorsichtig aus meinem engen Steinsarg. Der Raum ist nicht so dicht verschüttet, wie ich es erwartet habe. Die Stützbalken liegen quer und einige große Brocken der Decke haben verhindert, dass sich der Raum vollständig füllt. Eine Laterne liegt unter etwas Schutt und ihr schwaches Licht spiegelt auf meinem Schwert, das ich aus dem Schutt ziehen kann. Ich muss mich bücken, aber ich kann stehen. Hinter mir, in Richtung des Eingangs, scheint der Schutt dicht zu sein. Vielleicht haben wir die Nyx aufgehalten? Nach vorne sehe ich vielleicht ein durchkommen. Es ist soweit ich mich erinnere auch gar nicht weit bis zum Lager der Verwundeten. Selbst wenn ich nicht selber durchkomme, kann ich mich dort bemerkbar machen.

Zwischen Balken und einigen Steinen kann ich Lantams Schulter erreichen. Ich klopfe unbeholfen dagegen. „Danke, auch für die Gesellschaft, Großer“

Dann beginne ich in Richtung Höhle zu kriechen und zu klettern. Die ersten Meter komme ich gut voran, ich folge erst dem Stützbalken der Latam erwischt hat, beinahe bis zur Wand. Dann kann ich zwischen Balken und Brocken auf ein Stück der Decke kriechen, nachdem ich einige Steine beiseite und hinter mich geschafft habe. Bis zur Türöffnung kann ich mich fast aufrecht zwischen zwei großen Brocken schieben. Aber hier ist feinere Erde heruntergefallen und hat die ehemalige Öffnung fast ganz verschüttet.

Ich lasse schließlich meine Rüstung zurück, dann kann ich mich am Türstock hochziehen und mich zwischen den geborstenen Stücken des Türsturzes durchquetschen. Das Schwert schiebe ich vor mir her.

Nyx und Gregor

Hinter ihrem Gegner leerte sich der Raum. Einer nach dem anderen humpelten und krochen sie tiefer in die Gänge. Es störte sie nicht, später war noch genug Zeit, alles Sein strebte auf sein Ende zu, vergeht. So wie das Feuer in ihr verging, dass er durch ihre Augen und seine, in sie hineingoß

Gregor merkte wie hinter ihm der Raum zunehmend leerer wurde. Jeder der im Tunnel verschwand eine kleine Erleichterung der Last seiner Verantwortung, aber jeder auch ein Grund weniger, um durchzuhalten. Vor einer unbestimmten Zeit hatte sich jemand hinter ihn gestellt. Die Hand auf seine Schulter gelegt, nutzlos, aber freundlich und es lenkte ihn auch nicht ab. Jetzt drückte derjenige noch einmal seine Schulter und ließ los. Die letzten verließen das unterirdische Lazarett. Geschafft, er nahm die Nyx vor sich noch einmal in den Fokus. Unaufhaltsam, war sie in den letzten Stunden nähergekommen, hatte seine Überzeugung und seinen Glauben in sich aufgenommen, regungslos und unaufhaltsam. Er schloss die Augen, blickte nach innen und er sah, dass es gut war.

Ein Ende im Tunnel

Ich lasse mich erschöpft auf der anderen Seite herunterfallen, verliere fast das Schwert aus der Hand. Die Lampe steht auf eine Stück Geröll und wirft noch einen schwachen Schein durch die Engstelle, von der anderen Seite. Na wenigstens hat er Licht, da drüben. Ich strecke die Bein von mir und genieße einen Moment, dass ich nicht gebückt oder eingeklemmt bin. Es ist fast gemütlich hier, so an einen Steinhaufen gelehnt, die Beine ausgestreckt. Bis in die Höhle mit den anderen sind es nur wenige Meter um eine Kurve und der Boden sieht, soweit ich es im Fastdunkel erkennen kann sauber aus. Kein Licht, sind die anderen schon raus? Ich hoffe, dass ich Stief’s Ausgang auch ohne Hilfe finde. Ich taste mich im Dunkeln vorsichtig den Gang entlang.

Komme zum Ende des Ganges und sehe Gregor, der strahlend im Zugang kniet. Über ihn und mit dem Rücken zu mir beugt sich die Nyx. Ich weiß dass sie gerade ihren Mund weit aufreißt und gleich wird sie wieder ihren grauenhaften Schrei ausstoßen. Und das wird das Ende von Gregor. Ich kann ihn nicht besonders leiden, aber die platzenden Augäpfel sind mir immer noch lebhaft vor Augen.

Das möchte ich ihm ersparen, auch wenn mir seine gute Laune gewaltig auf den Zeiger geht.

Er hat die Augen geschlossen, sieht beinahe so aus, als wolle er sie küssen, aber ich weiss, dass er nur stoisch auf sein gottgewolltes Ende wartet. „Ha, Rettung in letzter Sekunde“.

Ein Streich aus dem Lehrbuch! Einen Kopf vollständig vom Körper zu trennen, ist gar nicht so einfach, schon bei einem Menschen sind einige hartnäckige Knochen im Weg. Für die Nyx gebe ich alles. Die Bewegung beginnt im linken Fuß, der stößt die Hüfte in die nötige Rotation, die sich bis in die Schultern fortsetzt und ich lege mein gesamtes Körpergewicht hinter die Spitze, schlage einen Bogen, der erst weit hinter dem Hals der Nyx endet.

Der Kopf schlägt mit einem stumpfen Gong auf dem Boden auf, scheppert wie ein leerer Krug, dann knüllen Kopf und Körper zusammen, zurück bleiben nur zerknüllte Splitter.

***Das Ende***

Grab imTunnel-5

This entry is part 5 of 6 in the series Grab im Tunnel

Eckert: und Lantam

„Milch oder Zucker?“ „Hm? Doch ich finde es wichtig, wie ein Mann seinen Kaffee trinkt!“ Nummer 45 Unterhaltungen mit Toten. Lantam antwortet nicht, aber vorhin hat er sich einmal ein wenig bewegt, jetzt pressen nicht mehr seine Zähne in mein Stirn, aber seine Nase quetscht an meiner linken Braue und der Helmrand presst auf mein Schlüsselbein. Kann ich die einzelnen Themen zählen? Frühstück, Kaffee, Lieblingswaffen, dann wäre ich schon bei 46.

Ob es zu früh ist, mit ihm über Bengas zu reden? Ob der wohl eifersüchtig ist? Lantam langweilt mich, ich glaube ich mache noch einmal die 27 und singe ein Lied.

Conrad: bei den Verwundeten

Conrad testete wieder sein Bein. Wenn die Schiene hielt konnte er zumindest humpeln, besser als nichts. Die Warterei war nervenaufreibend. Obwohl sich weder Gregor noch die Nyx rührten stand sie ein bisschen dichter bei ihm, sein Licht etwas gedämpfter. Einer der Heiler wollte zu ihm, aber wir sind uns schnell einig geworden, dass jeder die Finger von Gregor lässt. Pfeile und Bolzen rieseln einfach zwischen den beiden als Staub zu Boden, sobald sie die scharfe Trennlinie zwischen Licht und Dunkel queren.

Etwa alle zwanzig Augenblicke bekam er Bericht von den Grabungsarbeiten, dann fiel Conrad endlich auf, dass Alex zunehmend unsicher auf den Beinen war und den linken Arm schonte. „Sag einmal Alex, hast du schon nach deinem Arm sehen lassen?“ „Der ist in Ordnung, alles fein nur ein Kratzer“ Er tätschelt ihren Ellenbogen. Alex saugt hörbar die Luft ein. „Du musst uns nicht die ganze Zeit beweisen, dass du härter bist als alle anderen. Außerdem bringst du mir gar nichts, oben am Tunnelausgang, wenn du nicht kämpfen kannst.“ Er beschloss noch einen drauf zu legen: „Und dem Hauptmann bringt es auch nichts.“ Alex sah ihn hoffnungsvoll an: „Meinst du er lebt noch?“ Conrad war sich ziemlich sicher, dass das nicht der Fall war. Selbst wenn Eckert den Einsturz überlebt haben sollte, lag er nun schon seit über vier Stunden eingeklemmt im Tunnel. Nicht als würden sie zeitnah an der Nyx vorbeigekommen, um den Leichnam zu bergen. Conrad lächelte: „Der ist nicht kaputt zu bekommen, wahrscheinlich spielt er schon Karten und trinkt Bier, jetzt auf zum Heiler“.

Alex ging etwas aufrechter zum kleinen grün gekleideten Feldscher, um nach der Pfeilwunde im Unterarm sehen zu lassen. Conrad sah ihr nach und verstaute sein aufmunterndes Lächeln wieder sorgsam. Er humpelte zu Gregor, legte ihm eine Hand auf die Schulter. Der Krieger blieb still, nichts ließ merken, dass er ihn überhaupt wahrnahm. Er behielt die Nyx wachsam im Auge, aber auch die ignorierte ihn völlig. Wird schon nicht schaden, dachte er und Conrad fühlte sich ein wenig besser damit.

Wird fortgesetzt…

Grab im Tunnel-4

This entry is part 4 of 6 in the series Grab im Tunnel

Gregor

Er hört mehrere dumpfe Explosionen, darauf Schreie aus dem Tunnel. Mit einer dichten Staubwolke im Rücken und verfolgt vom Geräusch brechender Balken und herabprasselnder Steine rennen die drei Sanglier, deren Aufgabe es war, den Tunnel zu verminen, in die Höhle. Er lässt sie passieren und bereitet sich darauf vor den Kreis zu schließen. Als noch eine dritte Gestalt in das Licht stolpert. Es ist der hühnenhafte rothaarige Cymbrier, mit dem abartigen Geschmack. Es kommt für Gregor nicht in Frage ihm keinen Schutz zu gewähren, aber er kann sich eine gewisse Genugtuung nicht verkneifen, als er versteht, dass der Hühne allein ist.

„Was ist mit den anderen?“ Bengas schaut ihn verzweifelt an, er beginnt etwas zu sagen, stockt, dann schüttelt er nur den Kopf. Die Einsamkeit und der Verlust in seinem Blick sind so, dass sich Gregor für seine Gedanken fast schämt.

Gregor greift in den Kern seines Glaubens, seine Überzeugung, dass sein Gott wirklich ist und aus dem Nichts die Welt erschaffen hat. Wenn sein Gott, das leisten kann, erlaubt er es sicher auch seinem Diener dieses Stück der Antithese von dem Teil seiner Schöpfung fern zu halten, der sich in Gregors Obhut befindet.

Nyx und Gregor

Sie tritt aus dem Tunnel, dort steht der einzelne Paladin. Er fasst seinen Glauben fester und sie lässt ihr sein los.

Wir wollen die beiden ihrem Streit überlassen! Hier spielt sich im Kleinen die Schöpfungsgeschichte von Gregors Religion ab und auch der Wendepunkt der Existenz der Nyx, die einmal und immer Teil der Leere ist, über der sich der Schöpfergeist erhoben hat.

Das ist eine intime Situation, die kaum dichter an ihrer Existenz und Essenz sein könnte, als die unverschämte Frage, die manch Betrunkener und Philosoph Hühnern und Eiern stellt.

Wir wenden uns also zurück in den Tunnel. Denn hier haben sich ein Helm und ein Steinbrocken so verkeilt, dass sich zwischen Erde und Eckert wenige Fingerbreit Atemluft befinden.

Eckert: verschüttet

Ich glaube ich mache die Augen auf. Ich sehe nichts, aber das linke brennt jetzt, weil ein wenig Erde hineingefallen ist. Ich versuche den Kopf zu drehen oder zu schütteln, aber er bewegt sich kaum. Etwas klebriges Hartes drückt an meine Stirn. Ich reiße die Arme hoch, die rühren sich nicht, sie sind ebenfalls fest eingeklemmt. Ich stoße mit den Füßen winde mich, drücke, ich versuche jede Bewegung, die mir einfällt und ich rühre mich fast nicht, außer dass meine Stirn jetzt wehtut und ich kaum noch atmen kann vor Anstrengung und weil mein Brustkorb eingeklemmt ist. So liege ich eine ganze Weile, meine Augen tränen vom Staub, der hineingefallen ist und ich, ich ärgere mich, über den wenig heldenhaften Tod.

Die letzten Augenblicke der Flucht fallen mir inzwischen wieder alle ein und ich habe eine Ahnung was mich festhält – oder besser wer. Am Ohr kitzeln mich Dreadlocks und in meine Stirn bohren sich Zähne. Das kleine Dach über meinem Gesicht ist der Rand des Topfhelms, der Latam nicht davor bewahrt hat, vom Balken erschlagen zu werden. Was mir auch nicht weiterhilft. Ich werde hier nie wieder rauskommen. Und wenn ich Pech habe, liege ich hier lang genug, dass die Ratten oder Regenwürmer mich bei lebendigem Leib auffressen.

Gregor und Nyx

Tskk tsk tsk… die wollten wir doch nicht stören

Bei den Verwundeten

Es ist jetzt schon seit fünf Augenblicken nichts geschehen am Eingang zur großen Höhle. Conrad hatte ebenso wie alle anderen mit angehaltenem Atem auf einen wahrscheinlich sehr kurzen aber sicher sehr epischen Schlagabtausch zwischen Gregor und der Nyx gewartet. Dass sie einfach nur dort standen, sie mit einem kleinen Lächeln im Gesicht, Gregor unbewegt vor ihr auf einem Knie. Sein Schwert und seine Rüstung warfen einen rotgoldenen Schimmer, der in einem Halbkreis vor der Nyx wie abgeschnitten endete. Weder der Hauptmann noch Dante hatten es zurück in die Höhle geschafft. Bengas war sich sicher, das beide tot waren. Nach dem was er erzählt hatte und so wie Conrad den alten Dante kannte, gab er ihm etwas 50:50. Beim Hauptmann war er weniger zuversichtlich. Lunte hatte ziemlich betreten gewirkt, als er ihn gefragt hatte, ob die Sprengfalle vielleicht nicht ausgelöst hatte. Bisher hatte noch keiner was dazu gesagt, warum die Falle zu früh ausgelöst wurde. Conrad hatte aber eine Vermutung, aufgrund von Stiefs finsteren Blicken in Richtung Bengas.

Er winkte Stief zu sich: „Ihr habt doch einen Weg aus den Höhlen gesucht?“ „Gefunden“

„Gibt es denn einen Grund, warum wir hier sitzen und warten und noch nicht auf dem Weg nach draußen sind?“ „Hauptmann“ „Der ist doch verschüttet und tot haben, Bengas und Brent erzählt.“ „Bengas“ „Mhmm, ja gut, aber kann er den Einsturz überlebt haben“ Stief wiegte nur den Kopf hin und her. „Können wir ihm von hier aus helfen?“ Lunte schob sich dazwischen. Er hatte ein dickes rotes topfenförmiges Tonprojektil in der Hand. „Wir können sie wegpusten, Vize“ Conrad machte am meisten Sorge, dass Stief zwei unwillkürliche Schritte zurück machte, als er das Ding sah. „nette kleine Explosion, trifft nur die Nyx? Bringt auch sicher nicht die Halle hier zum Einsturz?“ Lunte zog unschlüssig eine Schulter hoch. „Vergiss es“ bestimmte Conrad. Lunte schaute so traurig drein, dass er fast versucht war es ihn doch machen zu lassen – fast.

„Schafft einen nach dem anderen hier raus.“ „Erst die Verwundeten, dann der Rest, aber seht zu, dass ein paar oben sind, die den Ausgang verteidigen können.“ Er winkte Alex zu sich: „Du bist bei der ersten Gruppe die raus geht“ „Conrad“ maulte Alex „ich bin unverletzt, ich kann kämpfen“

„Genau so ist es und deswegen will ich dass du oben den Ausgang bewachst und nicht sinnlos hier unten auf deinem Arsch sitzt“ Alex schluckte und nahm Haltung an: „Jawohl Vize“ und rannte Stief hinterher in den Tunnel.

Im Tunnel bei Eckert

Ich hatte keine Ahnung, dass Sterben so langweilig ist. Nachdem ich erst wütend, dann verängstigt und schließlich verzweifelt war, bin ich inzwischen bei Langeweile angekommen. Und den 101 Wegen sich die Zeit zu vertreiben, solange man festgeklemmt ist und langsam verdurstet. Verdursten dauert etwas mehr als drei Tage, so kühl und feucht, wie es hier war, wahrscheinlich länger, aber es war auch nicht kalt genug, um zu unterkühlen. Ich weiß nicht genau, wie lange hier schon lag, weil ich auch nicht wusste wie lange ich ohnmächtig war. Aber ich war noch nicht besonders durstig, nur sehr gelangweilt. Also 101 Wege, erstens du kannst mit den Fingern einen Rhythmus tippen, das sind in Wirklichkeit 10!, also elftens du kannst laut um Hilfe rufen, das ist anstrengend und macht durstig. Also zwölftens, du kannst pfeifen. Jedoch sind meine Lippen inzwischen so trocken vom Staub, dass das kaum einen Ton hervorbringt. Du kannst mit den Füßen wippen, also hast du Methode 12 und 13 – zwei Füße, aber in Stiefeln, sonst wären wir schon bei 22. Oder ist es 23? Du kannst dir außerdem dämliche Listen überlegen, mit etwa nutzlosem Zeitvertreib, also ist das die Nummer 24.

Bei den Verwundeten.

Die Erschütterung hatte einen Teil des hinteren Tunnelbereiches in Mitleidenschaft gezogen. Die Sappeure waren mit den Abstützungen nur wenige Schritte weiter gekommen, als bis zum Vorratsraum, in dem momentan alle lagerten. Das schnitt nun auch den geplanten Weg nach draußen ab. Zumindest vorübergehend, wie Alex erst aus den knappen Äusserungen von Stief und anschließend aus der etwas ausschweifenderen Erklärung von Talpa erriet. Nach der dritten Verwendung von Strata und obskuren Gesteinsnamen, platzte Alex der Kragen: „Wie lange bis es frei ist?“ Talpa stotterte: „Also Lehm und Gneis mit den Ziegeln…“

„Stunden nicht Steine!“ „Vier, Vier Stunden durch“ Alex machte auf dem Absatz kehrt und erstattet Conrad Bericht. Der musterte immer noch die beiden Gestalten am Eingang. Conrad hatte zwischenzeitlich das Knie gewechselt.

Wird fortgesetzt…

Grab im Tunnel-3

This entry is part 3 of 6 in the series Grab im Tunnel

Eckert: Gegen die Nyx

Die Nyx spielt mit den beiden Bluthunden. Die sehnigen nur leicht gerüsteten Keltoi haben sie in die Zange genommen. Einer webt ein Netz aus Hieben mit seinen beiden kurzen geraden Schwertern, der andere sticht immer wieder mit einem Speer nach ihr. Sie hat sich in den Richtung der beiden Schwerter gewandt, die sie mit bloßen Händen immer wieder beiseite wischt. Den Speerstichen weicht sie durch flüssige Hüft- und Oberkörper Bewegungen aus, ein obszöner und tödlicher Bauchtanz. Dabei hat sie ein kleines Lächeln auf den geschlossenen Lippen, fast als summt sie die Melodie zum Tanz.

Der Speerkämpfer gerät aus dem Takt. Zunehmend frustriert von seinen fruchtlosen Angriffen hat er heftiger und heftiger gestochen, bis er sich überreizt und einen kleinen Schritt nach vorne stolpert. Die Nyx greift nach unten, reißt den Speer mitsamt dem Bluthund nach vorne und stößt es dem Mann mit den beiden Klingen in den Bauch.

Dann dreht sie sich zum Speerträger um, sie ist etwa einen halben Kopf größer als er, also mindestens so groß wie ich. Und sie öffnet ihren Mund unmöglich weit. Ich schlage mir die Hände auf die Ohren und hoffe Dante macht dasselbe, als der grauenhafte Schrei durch die Tunnel fegt. Der Schrei, der jeden anderen Ton raubt und der dem armen Bluthund, ich glaube sein Name ist Nolan und ich habe einmal einen ganzen Haufen Geld an ihn verloren, das Leben aus dem Gesicht zerrt.

Seine Augen quellen vor und seine Zunge läuft blau an, dann platzen seine Augäpfel.

Noch drei Minuten.

Ich schlucke trocken, packe mein Schwert fester und trete langsam in den Raum. Die beiden Anwärter haben das eben nicht gesehen, deswegen folgen sie mir ohne zu zögern. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sie zusammen mit mir eine der taktischen Figuren aufbauen, die wir immer und immer wieder üben. Ein Prisma an dessen spitzen Ende unsere Gegnerin steht. gleichzeitig greifen die beiden völlig synchron an, sie öffnet ihren Mund wieder. Ich kann nur gelähmt auf ihren Mund starren und die schwarze Leere, die sich dahinter zeigt.

Wir haben alle Talente. Brent macht Licht und Feuer, Talpa gräbt schneller, als jeder andere und ich weiß wo ich drücken muss damit sich Knochen wieder an die richtige Stelle bewegen oder damit eine Blutung stoppt – nicht sehr kriegerisch, aber das ist mein Talent. Dante sagt er hätte kein Talent, er sei alt und faul, sagt er, er bewege sich nicht gerne. Deswegen steht er immer da, wo seine Gegner ihn nicht erwarten. In diesem Fall direkt hinter der Nyx und er streift ihr einen schweren Sack über den Kopf. Der Schrei ist erstickt, ich könnte ihn küssen. Bengas versenkt sein Schwert bis zur Hälfte in ihrer Achsel. Latam zieht seinen Rabenschnabel von unten, unter Ihren Rippenbogen. Obwohl er bis zum Anschlag eindringt, bewegt sich die Nyx keinen Schritt. Sie dreht sich auf der Stelle nach hinten, Schwert und Rabenschnabel brechen wie Zuckerwerk. Die Nyx packt Dante, ich höre wieder den gedämpften Schrei dann wirft sie den Alten wie eine Puppe von sich.

Zwei Minuten.

Latam und Bengas stehen noch ungläubig bei ihr. Latam hat aber bereits nach seinem Morgenstern gegriffen, guter Mann. Bengas reagiert etwas langsamer. Ich mache einen Schritt nach vorn und stoße zu. Ist sowieso nicht mein Schwert. Und bin überrascht, als ich es herausziehe. Es raucht und der Griff wird kalt, aber die Klinge ist noch so wie sie sein soll. Latam keucht, Bengas wimmert leise, die Nyx reißt sich den Sack vom Kopf und dreht sich wieder zu uns um. Sie lächelt wieder leicht und ihrer Augen sind völlig leer

Eine Minute

Eckert: Flieht!

Einen Scheiß auf die Minute, wir rennen alle drei los. Den ersten Tunnel entlang, stoßen auf Brent, der ein Kästchen mit brennender Zündschnur fallen lässt und ebenfalls losrennt. Er sprintet den Tunnel entlang, hüpft in den präparierten Raum, dreht sich zu uns um und ruft: „Springt!“ ich mach einen Hüpfer durch die Türöffnung, höre Latam springen und Bengas: „Oops“. Ich sehe Brent der sich halb rückwärts durch die Türöffnung gegenüber wirft und über dem von mir am weitesten entfernte Stützbalken einen Lichtblitz und höre ein dumpfes Knallen. Denke noch: „Fehlzündung?“ als die zweite Charge hinter mir abgeht, mich am Kragen packt und ein gutes Stück in den Raum schleudert. Wie ich auf den Beinen bleibe, weiß ich nicht mehr aber ich stolpere weiter.

Die Balken geben stöhnend nach, bersten und die Erde prasselt herunter. Ich reiße die Arme instinktiv nach oben und mir wird das Schwert aus der Hand geschlagen. Ein Stein prallt auf meine Schulter und ich versuche nach vorne zu springen, zwischen zwei Stützbalken. Etwas schlägt auf meine Beine hält mich fest, mehr Erde prasselt herunter. Ich versuche mich herauszuwinden. Ich höre Latam und Bengas schreien, die beiden waren direkt hinter mir. „Hilf mir“ schreie ich, und strecke meine Hand aus, Erdkrümel fallen in meinen Mund. Latam beugt sich über mich, greift meine Hand. Bengas zerrt ihn weiter. Meine Beine stecken fest. Er versucht sich loszureißen und ich packe fester. Meine Hand krallt sich in seinen Arm, die Knöchel stehen weiß hervor. Er dreht sich um keuchend, hebt den Hammer, sein irrer Blick bohrt sich in meine Augen, er wird mir den Schädel einschlagen, aber lieber so!

Über ihm bricht der Deckenbalken, das lange Ende schwingt nach unten und sein Helm zerknittert wie Papier. Drückt den riesigen Nubier nach unten. Mehr Erde fällt herunter. Begräbt ihn und mich unter ihm. Der Druck auf meine Brust nimmt zu, ich höre noch Bengas schreien und die Schreie meiner Leute, ich kann nicht schreien, mir wird die Luft aus der Lunge gepresst. Die Lampe wird verschüttet. Es wird dunkel und still.

Nyx

Sie tritt langsam in den Tunnel, vor ihr glüht ein kleiner roter Wurm, verschwindet in einem Kistchen. Sie geht darauf zu. Gerade als sie auf einer Höhe mit dem Würmchen ist, breitet sich sein Kistchen rasend schnell aus, verspritzt seine Teile, fast schneller als sie sehen kann. Durchschlägt die dünne Hülle, die sie um ihre Essenz gezogen hat. Es ist einen Augenblick unangenehm voll in ihr. Bevor die Nägel und Steinchen, die den Weg durch ihre Hülle gefunden haben, verstanden haben, dass auch sie zum größten Teil nur aus Leere bestehen.

Die Form ist eine Illusion, hast du schon einmal einen nackten Vogel gesehen? Sind die Federn gerupft, ist es nur noch ein halbes Huhn. Aber Fleisch und Blut sind nicht nennenswert dichter als ein Sack voll Federn. Was von den Nägeln übrig ist, flickt das kleine Loch, dass der letzte Angriff hinterlassen hat. Es ist noch nicht Zeit, dass sich ihre Leere wieder im Ganzen verliert.

Die Nyx schreitet gemessen weiter, durch einen Raum der voller Geröll und frischer Erde ist, findet sie sich einen Weg durch Balken und Steine.

 Wird fortgesetzt….