Geschichten von Schwertern und Zauberei

Der Kohler – 5

This entry is part 5 of 25 in the series Der Kohler

Ein besserer Bösewicht

Uskar machte einen ruhigen Schritt nach vorn, trat dem Jungen auf den Fuß und schlug ihm mit der linken Hand in den Nacken. Der Junge wurde noch vorne geschleudert und schlug hart mit Händen und Knien auf dem Boden auf. Vom Sturz geschockt, registrierte Janis keine Schmerzen, wohl aber den heftigen Tritt in seine Rücken, der ihm die Luft aus den Lungen presste. Der Hauptmann blieb mit einem Fuß im Nacken des Jungen stehen. Er musterte die Situation bei Klaas und sah, dass Harald ihn hochgezogen hatte, er hatte blutende Kratzer im Gesicht und sein Ohr blutete heftig. Das kräftige Ding, das er angetatscht hatte wurde von zwei seiner Soldatinnen festgehalten, sie wand sich heftig, die beiden schienen sie aber im Griff zu haben. Das kleine Mädchen, das ihn angegriffen hatte, lag allerdings unnatürlich still da. Er verzog missbilligend das Gesicht.

„Genug!“ herrschte er. Der Hof erstarrte. Nur das kräftige Mädchen versuchte sich weiter los zu reißen und der Sohn des Ortsvogtes war aufgestanden.

Der Hauptmann hielt die Münze hoch, die er als Requisite für die Szene schon seit einer Weile in der rechten Hand hielt: „Das ist euer Wert! Zwei Jahre Steuern, nicht mehr und nicht weniger, seid ihr für eure Familien!

„Das Reich hat für euch – für eure Familien – die Steuern bezahlt, gibt euch Arbeit, Kleidung und Unterkunft, ihr steht in seiner Schuld, gehört dem Reich jetzt mit Haut und Haaren. Falls ihr nicht gehorcht, falls ihr faulenzt, falls ihr desertiert, seid ihr eine Last für das Reich. Nur noch dazu gut, aus euch ein Beispiel zu machen.“ Er wandte sich zum stehenden Jungen, lehnte sich nach vorne, sein Fuß grub sich in den Nacken des Jungen, der vor ihm lag: „Möchtest du das Beispiel sein?“ Matjas schluckte und setzte sich hin.

„Johan hier hat für jeden von euch die Zahlung des Steuergroschens in seinem kleinen schwarzen Buch eingetragen. Dafür bringen wir euch nach Kaiserach, wo ihr in Dienst genommen werdet. Falls ihr auf dem Weg dorthin beschädigt werdet, verunglückt oder sterbt, ist das Sachbeschädigung und dafür muss bezahlt werden.“ „Du wirst also für den Schaden, den du angerichtet hast bezahlen“ Er sah Klaas an, der öffnete den Mund um zu protestieren, aber Harald stieß ihn an. Missmutig grummelnd kramte Klaas in seiner Börse und reichte sie dem Johan. Der starrte auf die Münze als wäre sie mit etwas Ekelhaftem überzogen.

Uskar beugte sich runter, griff Janis an den Haaren und zog ihn nach oben: „Muss ich für dich bezahlen?“ Janis ballte die Fäuste. Der Hauptmann warf die Münze auf den Boden. Während Janis noch von dem polierten Geldstück abgelenkt war, zog Uskar seinen Rattenschwanz und zog dem Jungen mit der lederbezogenen Eisenrute einen brutalen Streifen auf die Schienbeine und als dessen Beine nachgaben und er schreiend zu Boden ging, zeichnete er mit zwei knappen Schlägen ein Kreuz auf seinen Rücken. Nicht zu fest, er wollte schließlich nicht noch eins verlieren.

Der Rest der Marschvorbereitung war ohne weitere gewaltsame Zwischenfälle vonstattengegangen. Johan hatte es dennoch nicht ausgehalten. Unfähig weiter zuzusehen, war er zitternd auf sein Pferd gestiegen und ein Stück aus dem Hof geritten. Hier fand ihn der Hauptmann, der ihn abschätzig angrinste. „Nicht vergessen, die Bücher auszugleichen! Falls das Mädchen noch überlebt, will Klaas seinen Groschen sicher zurück.“ Johan schmeckte sein eigenes Erbrochenes im Mund, aber nickte unterwürfig.

***

Series Navigation<< Der Kohler – 4Der Kohler – 6 >>